Blinder Fleck Nordwestbahnhof

By 23. Mai 2022publications
Anfang vom Ende: Abbau der Containerkräne am Wiener Nordwestbahnhof © Foto: Hieslmair & Zinganel 2017

BLINDER FLECK
NORDWESTBAHNHOF

Biographie eines innenstadtnahen Bahnhofsareals

Michael Hieslmair, Bernhard Hachleitner und Michael Zinganel (Hrsg.)

Das Buch dokumentiert die die wechselvolle Geschichte des Wiener Nordwestbahnhofs, der 1872 als letzter der großen Kopfbahnhöfe in Wien errichtet wurde um ursprünglich die deutschsprachigen nordböhmischen Industrieregionen mit Wien und in der Folge dann auch Wien mit Berlin und den Nordseehäfen zu verbinden. Im Gegensatz zu anderen Wiener Bahnhöfen – wie etwa dem benachbarten Nordbahnhof – konnte der Nordwestbahnhof seine Funktion als innenstadtnaher Umschlagplatz für den transnationalen Güteverkehr bis zuletzt erhalten. Trotz seiner Funktion, Größe und Bedeutung scheint dieser Bahnhof bei den Wiener:innen jedoch völlig in Vergessenheit geraten zu sein. Ausgerechnet 2022 im Jubiläumsjahr seines 150-jährigen Bestandes wird er seine endgültige Stilllegung erfahren und in naher Zukunft einem neuen Stadtentwicklungsgebiet für bis zu 16.000 neue Bewohner*innen und Nutzer:innen weichen müssen.

Das Buch versteht sich als Erinnerungsarbeit an diesen Bahnhof als Teil eines übergeordneten Transport-Netzwerkes, das verschiedene politischen Regime zeitlich durchlaufen und geografisch verbunden hat, als Investitionsprojekt und Versorgungsknoten mit Effekten für die Entwicklung der nachbarschaft und der gesamten Stadt Wien, aber auch als sich wandelnder Arbeits- und Lebensraum für eine Vielzahl von Menschen unterschiedlichster Herkunft.

In 4 umfassenderen Kapiteln und 4 kürzeren Essays werden von seiner Entstehungsgeschichte über die Krisen und Umbrüche bis zu seinem aktuellen sukzessiven Rückbau unterschiedliche verdrängte Schichten, bauliche Transformation und soziale Überformungen »freigelegt«: von den Fischpopulationen, die in den 1860er Jahren während der Aufschüttungen dem Industrialisierungsschub und Spekulation zum Opfer fielen, über die Zwischennutzungen der Zwischenkriegszeit, zu denen auch die NS-Propaganda Ausstellung »Der ewige Jude« von 1938 zählte, die in Deportation und Massenvernichtung der jüdischen Bevölkerung endete, bis zum Wiederaufbau nach der russischen Besatzungszeit und den Boom-Jahren während des kalten Krieges.

Erscheinungstermin: Oktober 2022, Deutsch
16.5×22 cm, 254 Seiten, 21 s/w & 47 Farbabb., Softcover
ISBN 978-3-85439-716-8
Grafik: Seite Zwei, Christoph Schörghofer
Druck: Holzhausen Gerin GesmbH
Verlag: Falter Verlag

Erhältlich ab Oktober 2022 um Euro 29,90 im Museum Nordwestbahnhof und im Falter-Shop

Vorbestellungen unter: office@tracingsspaces.net