Sonderausstellung im Museum Nordwestbahnhof
und Interventionen im Außenraum des Bahnhofsareals

bis 22. November 2020
Donnerstag und Freitag 15:00 bis 19:00 Uhr,
bei Veranstaltungen oder nach persönlicher Vereinbarung: office@tracingspaces.net

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In den neuen Räumen des Museums in der Nordwestbahnstrasse 16 zeigen wir die Geschichte des Wiener Nordwestbahnhofs, des letzten innerstadtnahen Logistikknotens, der demnächst einem neuen Wohngebiet für 12.000 Bewohner*innen weichen wird müssen.

Mehr zur Geschichte des Nordwestbahnhofs finden Sie u.a. in der Radiosendung: > Ö1 Betrifft Geschichte (vom 19. Mai 2019)

Diese permanente Ausstellung wird durch eine neue Sonderaussstellung zur Rolle des Fisches in der Wiener Stadtgeschichte ergänzt: Denn ein Großteil der Fläche des heutigen (2. und) 20. Bezirks wurden erst im Zuge der Donauregulierung durch massive Aufschüttungen der Donauarme als zusätzliches Bauland gewonnen. Hier wurden bedeutende Infrastrukturen für die Industrialisierung errichtet, u.a auch der Wiener Nordwestbahnhof. Diesem Modernsierungsschub fielen jedoch tausende lebende und noch ungeborene Fische zum Opfer, die unter der vier Meter hohen großflächigen Aufschüttung begraben wurden.

Diesen Fischen wollen wir hier gedenken. Daher werden wir im Aussenraum, am und im Pförtnerhäuschen, auf einer Verladerampe, sowie auch auf stillgelegten Schienensträngen des Bahnarerals temporäre künstlerischen Interventionen zum Thema Fischfang, Fischmord, Fischtransport und -verarbeitung installieren.

Noch mehr zur Geschichte des Museums, des Bahnhofs und des aktuelles Projektes erfahren Sie auf Radio Orange 94.0:  > Radio Dispositiv (vom 8. Juni 2020)

Der “Fischkiosk” (das ehemalige Pförtnerhaus der Bahn- und Postbusgaragen) dient als Gefäss für “Kunst im öffentlichen Raum”:
In einem Hybrid aus Aquarium und Vitrine bzw. Operationssaal und Anatomie-Theater wird ein riesiges unbekanntes Fisch-artiges Wesen aufgebahrt – mit geöffneter Bauchdecke und an intensiv-medizinischen Notversorgungsgeräten angeschlossen. Dieses Wesen dürfte trotz der Aufschüttungen der 1860er Jahre Jahrzehnte lang in wasserführenden Hohlräumen im Untergrund unter dem Nordwestbahnhof überlebt haben. Dessen Größe mag heute verwunderlich erscheinen, war jedoch vor der Regulierung der Donau und dem Bau der vielen Staustufen für den größten Donaufisch, den Hausen, keineswegs aussergewöhnlich.

Die kurze Tonspur, die über Lautsprecher unter dem Vordach des Kiosk zu den Besucher*innen “spricht”:

“Fischschwarm” oder “Fischfriedhof”: Auf den stillgelegten Bahngeleisen des Frachtenbahnhofs hinter dem Museum Nordwestbahnhof haben wir 100 identische Fischkonturen installiert, die – so eine mögliche Lesart – mit ihre Nasen jeweils schräg nach unten, in Richtung des Wasserspiegels des einstigen Donauarmes, zeigen als wollten der gesamte Ficschschwarm unbedingt in seinen ehemaligen Lebensraum zurückkehren. Die immergleichen weissen abstrahierten Fisch-Abbilder könnten aber auch – in Analogie zu Soldatenfriedhöfen – als “Grabsteine” für die unzähligen unbekannten Donaufische interpretiert werden, die hier – tatsächlich – einst ihr Leben lassen mussten. Diese waren allerdings nicht alle so selbstähnlich, wie sie hier dargestellt werden: der Fischbestand war durch eine Vielfalt unterschiedliche Gattungen und Arten gekennzeichnet, die meisten von ihnen waren Migrant*innen oder transnationale Pendler*nnen, die zyklisch weite Wege über die damalige “Balkanroute”, die Donau flussaufwärts und flussabwärts, mitunter bis zum schwarzen Meer und retour zurücklegten.

Fotos: Shirin Omran, Wolfgang Thaler, Peter Trautwein und Michael Zinganel 2020

Produktions-Team: Bilal Alame | Ovidiu Anton | Elena Apollonio | Aline Sarah Eriksson | Branko Floranovic | Gregor Fuchs | Zofia Hołubowska | Nadine Lemke | Paul Papalecca | Marit Wolters | Joanna Zabielska | Sophia Zinganel

Knapper Rundgang zu den Interventionen am Areal sowie durch die Ausstellung.