BUS STOP
Orth

Wer hier auf den Bus wartet, steht unter einem Schiff. Ein umgedrehter Bootsrumpf, getragen von vier roten Rudern — die Form der Ulmer Schachtel, die einst Menschen und Waren die Donau hinabtrug.

Orth an der Donau  ·  Eröffnung 27. Juni 2026

Tracing Spaces © Foto: Christopher Mavrič, 2026

Orth liegt, wie der Name sagt, an der Donau — und doch ist der Fluss im Ortskern kaum zu spüren. Historisch war der Fluss wichtiger Verkehrsweg: eine Wasserstraße, an der Orth zum Knotenpunkt für Menschen und Güter wurde.

An der Bundesstraße zwischen Schloss Orth und der Neuen Mittelschule stand jahrelang eine in die Jahre gekommene Bushaltestelle. Im Zuge eines künstlerischen Wettbewerbs hat das Künstler- und Architektenduo Tracing Spaces sie durch einen außergewöhnlichen Bau ersetzt, der mehrere ortsspezifische und thematische Fäden aufnimmt.

Als skulpturaler Blickfang erzählt die Haltestelle von einem weiten Themenfeld rund um die Donau — von Mobilität und Migration zu Wasser wie an Land. Sie verkürzt das Warten auf den nächsten Bus und setzt zugleich ein markantes Zeichen für den Ort.

Making of

Vom Schiffsrumpf zur Haltestelle

Der STANDOrt

Orth an der
Donau

Am östlichen Rand Wiens, im Herzen des Marchfeldes und unmittelbar am Nationalpark Donau-Auen gelegen, ist Orth seit jeher mit dem Fluss verbunden. Das Schloss Orth und die angrenzende weitläufige Auenlandschaft prägen den Ort seit jeher.

Lage

Niederösterreich

am

Donaustromkilometer 1900

Nachbar

Nationalpark Donau-Auen

ADRESSE

Schlossplatz 4,
2304 Orth an der Donau

Historische Landkarte des Marchfeldes: Orth, Lassee, Leopoldsdorf, Eckartsau. 3. Franzisco-josephinische Landesaufnahme der österreichisch-ungarischen Monarchie, aufgenommen 1873, Archiv des österreichischen Militärgeographischen Institutes

Ein Zoom in die obige Karte zeigt, dass das Geflecht aus Seitenarmen der Donau und künstlich angelegten Kanälen bis mitten in das Zentrum von Orth reichte. Innerhalb der Markierung (weisser Kreis) liegt das Schloss, sowie der Bus Stop.

Reste einer Uferverbauung oder eines Schiffslandeplatzes aus dem 16. Jahrhundert südwestlich des Schlosses Orth, Dokumentation des BDA: Schloss Orth an der Donau – Baujuwel der Renaissance.

Ein Bericht des österreichischen Bundesdenkmal Amtes, der anlässlich der Arbeiten für den Außenbereich des Nationalpark Zentrums im Jahr 2005 verfasst wurde, gibt Aufschluss über eine mögliche Nutzung in unmittelbarer Nähe südwestlich des Schlosses:

„Im Umfeld des Fadenbaches, unter Sedimentschichten Balken und Piloten einer massiven Holzkonstruktion freigelegt, die als Reste einer Uferverbauung oder eines Schiffslandeplatzes interpretiert wurden und dendrochronologisch in die Zeit um die Mitte des 16. Jahrhunderts datiert werden konnten. Eventuell ist hier auch an eine Mühlenkonstruktion oder Ähnliches zu denken.“

Der Fluss als Weg

Den Strom hinab — von Ulm zum Schwarzen Meer

ULM REGENSBURG PASSAU LINZ WIEN ORTH BRATISLAVA BUDAPEST BELGRAD SCHWARZES MEER

Eine historische Karte verzeichnet die Bau- und Fahrtstrecken der Donauschiffe zwischen Mainz, Wien und dem Schwarzen Meer. Sie macht sichtbar, wie eng der Donauraum über Jahrhunderte durch den Wasserweg verbunden war.

Quelle: Schäfer — Bauorte und Fahrtstrecken der Donauschiffe, 1769–1798.

Infobox

Was ist eine
Ulmer Schachtel?

Ein einfaches, kastenförmiges Holzboot — ursprünglich war der Name ein Spottname für seine Form. Schon im 16. Jahrhundert transportierten Ulmer Schachteln Wein und Güter von Ulm nach Wien; im 18. Jahrhundert brachten sie Siedlerinnen und Siedler aus Südwestdeutschland die Donau hinab in die Gebiete entlang des Stroms.

Die Boote fuhren in der Regel nur stromabwärts. Am Ziel angekommen, wurde der Rumpf zerlegt und sein Holz als Baumaterial weiterverwendet — die Schiffsmeister reisten zu Land nach Ulm zurück.

20–25 m

Länge

4–5 m

Breite

15. Jh.

erstmals belegt

Modell einer Ulmer Schachtel — der gestreifte Rumpf diente der Sichtbarkeit auf dem Wasser.

Holzstich: Ulm am Fluss mit einer Ulmer Schachtel im Vordergrund.

Das Objekt

Ein Schiff als Dach,
vier Ruder als Stützen

Der Rumpf

Der einer Ulmer Schachtel nachempfundene Bootsrumpf ist umgedreht und bildet das Dach. Seine strenge Schwarz-Weiß-Gestaltung ist typisch für diesen Bootstyp — sie sicherte einst die Sichtbarkeit auf dem Wasser.

Die Ruder

Vier rote, zu vertikalen Stehern umfunktionierte Ruder tragen das Dach. Ihr kräftiges Rot bildet einen bewussten Farbkontrast zum schwarz-weißen Schiffsrumpf.

Der Ort

Schutz für die Wartenden — allen voran die Schülerinnen und Schüler der angrenzenden Mittelschule, Pendlerinnen und Pendler sowie Gäste von Nationalpark und Schloss. Und ein Anstoß, über Bewegung und Migration nachzudenken.

Werkstatt & Aufbau

Bilder von der Entstehung

Herzliche Einladung

Eröffnung

Samstag, 27. Juni 2026 — 14.00 Uhr
Schlossplatz 4, 2304 Orth an der Donau

Musikalische Begleitung durch die Jugendkapelle des Musikvereins Orth/ Donau.

Es sprechen

Elisabeth Wagnes

Bürgermeisterin

Anna Soucek

ORTE, Ö1 — im Gespräch mit Michael Hieslmair / Michael Zinganel (Tracing Spaces), Christian Königsdorfer (Bootsbauer) und Alfred Karrer (ehem. Donaukapitän)

Angela Baumgartner

Abgeordnete zum Nationalrat, in Vertretung von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner

DANK an

Inhaltliche Inspiration und Unterstützung

Martin Zöberl, Initiator der Schiffsmühle Orth an der Donau, die beim Hochwasser 2024 zerstört wurde. Betreiber einer sog. Tschaike, einem historischen schmalen Bootstyp, der ursprünglich als Ruder- und Kriegsschiff auf der Donau eingesetzt wurde.

Hilde Fuchs, bildende Künstlerin und Kuratorin, Leiterin Museum Orth.

Kurt Schäfer †, Architekt, Unterwasser-Filmpionier, Unterwasser-Archäologe, Marinehistoriker und Modellbauer. Verfasser von mehreren Publikationen zu historischem Holzschiffbau an der Donau.

Alfred Karrer, Donaukapitän in Rente und Autor des Buches „Der Wiener Donaukanal: vom Treidelschiff zum Katamaran“.

Planung und Ausführung

Klaus Straka, Konstruktive Beratung und Statik.

Christian Königsdorfer, Bootsbauer, Herstellung von Bootsrumpf und Ruder.

Firma Stahl und Form – Peter Fraiss, Stahlbau, Bootsbeschichtung, Windschutzverglasung und Montage.

Firma PORR Niederlassung Gänserndorf – Dalibor Jovanovic, Bauleiter, Fundamentierung und Pflasterung.

Vertreter*innen der Gemeine Orth

Elisabeth Wagnes, Bürgermeisterin.

Josef Drabits, Vizebürgermeister.

Franz Kratschinger, Bauamt Orth.

Die Künstler

Über Tracing Spaces

Tracing Spaces von Michael Hieslmair und Michael Zinganel gegründet konzipiert, gestaltet und produziert – eigeninitiativ oder im Auftrag Dritter – künstlerische Forschungsprojekte und Interventionen im öffentlichen Raum,, Vermittlungsformate, Publikationen und Ausstellungen. Seit 2020 sammelt Tracing Spaces z.B. unter dem Label „Museum Nordwestbahnhof“ Narrative und Artefakte aus der Geschichte des gleichnamigen Bahnhofs, die in unterschiedlichen Inszenierungsformaten im Museum und auf der Brache zugänglich gemacht werden, um soziale Milieus vor Ort zusammenzuführen und in weitere Formate einzubinden. Langfristiges Ziel dieser Praxis des „Creative Urban Curating“ ist die Re-Integration dieser Narrationen als identitätsstiftende Marker in das hier neu entstehende Stadtgebiet und die Etablierung des Museums als lokales Kulturzentrum in einer der historischen Lagerhallen am Areal.

Michael Hieslmair

Michael Hieslmair studierte Architektur in Graz und Delft. Er war Stipendiat des Künstlerhauses Büchsenhausen Innsbruck und Architect in Residence am MAK Center for Art and Architecture Los Angeles, lehrte an verschiedenen Universitäten, u.a. an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, den Universitäten Innsbruck, Graz sowie aktuell an der Technischen Universität Wien.

Michael Zinganel

Michael Zinganel studierte Architektur in Graz, Kunst an der Jan van Eyck Academy Maastricht und Zeitgeschichte an der Universität Wien. 1996–2003 war er Kurator im Forum Stadtpark Graz, 2003 Research Fellow am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) in Wien und bis 2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Graz.

tracingspaces.net →